Herbert Neidhöfer, homme de lettres

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Das Projekt

Die Clemens Limbularius Trilogie · ¡Hans Koberlin vive!


»Selbstanzeigen eben veröffentlichter Werke sind eine ebenso seltene wie schwierige Form der Autopräsentation eines Autors: gerade hat er ein dickes Buch geschrieben, dem Leser zur Last und Zumutung, und nun gibt er zu erkennen, daß man das doch auch viel kürzer sagen kann. Schlimm!« (Hans Blumenberg).

 


Der Ur-Clemens, gezeichnet von Ralf Thorn

 

Willkommen in der Welt des Clemens Limbularius und in der des Hans Köberlin!

Mein literarisches Projekt – das bisherige und das aktuelle – besteht aus vier in sich abgeschlossenen, aber sich aufeinander beziehenden Romanen, nämlich aus der

Die Romane der Trilogie sind 2007, 2010 und 2013 im sine causa Verlag Berlin erschienen, ¡Hans Koberlin vive! ist zur Zeit noch work in progress, eine Publikation des ersten Teils ist in den kommenden Jahren vorgesehen.

Jeder der drei Romane der Trilogie und der vierte Roman bestehen aus vierundzwanzig, in drei Teilen angeordneten, Kapiteln.

Der Modus der Realitätssimulation der ersten drei Geschichten ist mehr oder weniger ein phantastisch abstrahierter, sie sind – nicht notwendig – in unserer Zeit angesiedelt; die vierte Geschichte dokumentiert die Tageskalenderblätter von 324 konkreten Tagen und simuliert dadurch mehr oder weniger eine Langzeitdokumentation.

Die Romane sind unter Verwendung hier nicht primär gebräuchlicher Idiome in der traditionellen Rechtschreibung und mit gelegentlichem Gebrauch von Archaismen und Neologismen verfaßt.

Die ersten drei Romane sind an Anfang, Mitte und Ende eines etwa zwanzig Jahre umfassenden Zeitraums im Leben eines Mannes angesiedelt, jener zwanzig Jahre, die man gemeinhin als die besten Jahre im Leben eines Mannes bezeichnet, die Jahre nämlich zwischen dreißig und fünfzig. Es sind dies die Jahre, in denen man sich für gewöhnlich beruflich und sozial etabliert, sein Haus bestellt (höre BWV 106) und an seiner und an der Reproduktion seiner Gattung arbeitet. Nicht so Clemens Limbularius, der Emporkömmling, der Spätzünder, der Nixnutz.

Die zunehmende Dauer, die die Romane jeweils umfassen, entspricht dem veränderten Zeitempfinden des Protagonisten, und daß darin heute noch ein Zeitraum von zwanzig Jahren als ›unsere Zeit‹ bezeichnet werden kann – was ja eine gewisse Homogenität der Zeit suggeriert (»… the terrible flood of time …« (Thomas Pynchon, Against the Day, New York 2006, S. 1060)) –, zeugt von der phantastischen Abstraktion der Handlung, die davon absieht, daß sich der Kapitalismus als herrschendes Beschreibungsmodell der Welt etabliert hat sowie sich das weltweite Netz und das Taschentelephon als allgegenwärtige Medien global durchgesetzt haben.

Und während des vierten Romans ist dessen Protagonist Hans Köberlin, der sich unter idealen Bedingungen schreibend von einer schweren persönlichen, im dritten Roman der Trilogie andeutungsweise geschilderten, Katastrophe regeneriert, zwischen 53 und 54 Jahren (exkl. Prolog und Epilog) alt.

Nähme man hinter jedem der vier Romane ein großes implizites Thema an, so könnte man sagen:

Abgesehen von Homer, der wohl in irgendeiner Weise der Bezug aller Romanschreiber ist, würde ich mich – ohne mir anmaßen zu wollen, die Genannten je erreichen zu können! – in der literarischen Tradition von Cervantes, Sterne, Melville, Flaubert, Joyce, Beckett, Flann O’Brien, Josefine Mutzenbacher, Borges, Arno Schmidt, Svevo, Malerba, Bukowski, Okopenko, Pynchon und Queneau sehen. Telos und – und vielmehr noch – ¡Hans Koberlin vive! sind an außerliterarischen Vorbildern noch John Cage und Jean-Luc Godards Histoire(s) du cinéma (1988ff.) verpflichtet. Was die Genannten alle mehr oder weniger auszeichnet, ist ihre ›reflexive Komik‹. »Der Begriff«, so Brigitte Pichon, »bietet sich deshalb an, weil er gängige Wertungen wie ›grotesk‹, ›nihilistisch‹ oder ›absurd‹ umgeht und doch für die Atmosphäre der Romane bezeichnend ist. Denn die vorgeführten Situationen verlangen vom Leser gleichzeitig ein hohes Maß an Intellektualität und Frohsinn. Die Appellstruktur der Romane vermittelt jedenfalls die Einsicht, daß man reflexiv über alles lachen kann, selbst über die zwiespältigen Mechanismen unserer selbst. Dieses Lachen bezeichnet jedoch kein Gefühl des Überlegenseins über Situationen und Figuren als Resultat davon, daß man nicht involviert ist und sie distanziert durchschaut. Es ist ein Lachen, das gerade uns selbst umgreift und auch unser Bedürfnis nach Wissen und Engagement und die daraus resultierenden Inkongruenzen. Dieses Lachen hat auch nicht den versöhnlichen Charakter, wie er traditionellerweise […] vorherrschte. Es ist eher ein Lachen der Freude über Wahlmöglichkeiten als Modell eines souveränen Bewußtseins, das wir – wenn überhaupt – nur noch punktuell haben.« (Brigitte Pichon, Stil und Bewußtseinsökologie. Nathanael West und die dreißiger Jahre: ein (de)konstruktivistisches Vorspiel; in: Stil. Geschichten und Funktionen eines kulturwissenschaftlichen Diskurselements, hrsg. von Hans Ulrich Gumbrecht und Karl Ludwig Pfeiffer, unter Mitarbeit von Armin Biermann, Thomas Müller, Bernd Schulte und Barbara Ullrich, Frankfurt am Main 1986, S. 45, siehe dort auch die Anmerkung 8 auf S. 48, in der es um die Genese des Begriffes ›reflexive Komik‹ geht).