Herbert Neidhöfer, homme de lettres

Home · non fiction · fiction · Verweise · Aus dem Spindlersfeld · Kontakt / Impressum


Das Projekt

Die Clemens Limbularius Trilogie · ¡Hans Koberlin vive!


¡Hans Koberlin vive!
oder
Schreiben als Ausziehtanz
Versuch einer Langzeitdokumentation vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014

work in progress
Für Maria


Hans Köberlin in der ›Tango Bar‹,
photographiert von der Frau am Dienstag, dem 12. August 2014

 

»Auf manche Ereignisse kann man nicht extrem genug reagieren«, sagte sich Hans Köberlin und löste seine Existenz auf, um knapp ein Jahr im Mediterranen zu leben. Der Autor von HannaH & SesyluS (2007) und … du rissest dich denn ein. (2010), der an der Verfassung des dritten Berichts über die seltsamen Abenteuer des Clemens Limbularius – Telos (als Fragment 2013 publiziert) –, scheiterte, nahm sich vor, Hans Köberlins Jahr im Mediterranen zu dokumentieren.

In den Romanen der Clemens Limbularius Trilogie spielt neben der titelgebenden Figur die Figur des homme de lettres Hans Köberlin eine große Rolle:

In Telos spiegelt sich das Verschwinden der Protagonisten – als der gewählten Form des Abschlusses der Trilogie – auch in der literarischen Form wieder: der Roman ist als Fragment angelegt. Nach dem Verschwinden des Autors übernimmt eine nicht namentlich genannte Person die Herausgabe und Kommentierung der erhaltenen Textstücke, Projektskizzen, Materialien, Zitate und Entwürfe. Und die Fragmente zu Kapitel XX legen den Schluß nahe, daß Hans Köberlin sich aus Liebesleid aus der Welt gemacht hat. Die als »der Herausgebende und Kommentierende« bezeichnete Instanz hat allerdings Hinweise erhalten, daß Hans Köberlin – wie bereits der Schiffskoch in HannaH & SesyluS anläßlich Hans Köberlins erstem Verschwinden besser als all die anderen wußte – noch lebt und sich bloß nach Spanien abgesetzt hat.

Und dem ist so, und in ¡Hans Koberlin vive! wird der Aufenthalt Hans Köberlins in dem Badeort Calpe an der Costa Blanca beschrieben und zwar (inklusive Transfer) in der Zeit vom 2. Oktober 2013 bis zum 21. August 2014.
Die Erzählinstanz ist die gleiche wie bei Telos, die sich in dem Prolog zu der Todsünde bekennt, wie Joseph Conrads Lord Jim oder wie der Kapitän der ›Concordia‹ den scheiternden Roman vorzeitig und nicht als letzter verlassen zu haben. Er bietet sich nun an, das weitere Schicksal Hans Köberlins zu beschreiben, und zwar diesmal bis zum Ende.

Hans Köberlin hatte in der Tat – wie in Telos beschrieben – aus der Welt gehen wollen, sich dann aber vorgenommen, zuvor noch einmal »richtig einen draufzumachen«. Und dieser Entschluß nahm ihm gleich so viel von seinem akuten Leidensdruck, daß ein Suizid obsolet wurde und nur noch als regulative Idee – als »Krafthorizont«, wie er es für sich nannte – seine Funktion behielt.

Tag für Tag nun werden Hans Köberlins Leben, seine alltäglichen Verrichtungen, seine Abenteuer und seine Reflexionen im Mediterranen beschrieben – u. a. auch seine Herausgabe und Kommentierung von Telos, denn er stellt sich als jener »Herausgebende und Kommentierende« heraus …

Er hatte bei seiner gründlichen Inspektion aller Teile des Hauses und des Grundstücks in der Garage einen noch ungeöffneten Eimer dunkelbrauner Fassadenfarbe und Pinsel in diversen Größen vorgefunden, er ging nun also die Treppe hinunter zu der Garage, schloß sie auf (›Logo‹ stand, wie gesagt, auf dem betreffenden Schlüssel), holte den Eimer mit der Farbe, suchte sich den dicksten Pinsel und schrieb an die weiße Wand zu der oberen Straße hin …

… seine alltäglichen Verrichtungen also, seine Abenteuer und seine Reflexionen im Mediterranen werden Tag für Tag beschrieben, und zwar in der Form einer Langzeitdokumentation, die unterfüttert ist von der Lektüre und den Assoziationen der Erzählinstanz und ihres Protagonisten:

… denn verzichten wollten wir auf Anspielungen und Zitate nicht, was, nebenbei bemerkt, ganz und gar nichts mit literarischem Kannibalismus zu tun hatte, »es ließe sich«, vielmehr mit Peter Fuchs artikuliert, bei unseren Berichten »von einem Raum sprechen, in dem die Kunst sich selbst medial benutzt.« Denn sonst, mit der Fiktion einer, durch einen konkreten Realitätsbezug gewährleisteten produktionsästhetischen Autonomie unseres Berichtens, wäre es bloß eine weitere Fickgeschichte, eine weitere Kriminalgeschichte, ein weiterer Mysterythriller, eine weitere Liebesgeschichte, eine weitere Trennungsgeschichte eine weitere … et cetera et cetera. »Na und?«, wird man einwerfen, worauf wir bloß mit Vladimir Nabokov entgegnen, daß es auf »Na und?« keine vernünftige Antwort gibt. Denn weitere Fickgeschichten, Kriminalgeschichten, Mysterythriller, Liebesgeschichten, Trennungsgeschichten et cetera et cetera braucht man vielleicht zur Zerstreuung, nicht aber zur Sammlung, nicht aber als Medium für die gute alte (und wohl auch altmodisch gewordene) Reflexion über sich und über Gott und natürlich über die Welt mittels niedergeschriebener Sätze.

Der Roman besteht – wie auch die drei Romane der Trilogie – aus drei Teilen:

Prolog: Vom 23. Oktober 4004 vor unserer Zeitrechnung bis zum 1. Oktober 2013

  1. Was zuvor geschah

Erster Teil: Vom 2. Oktober bis zum 19. Dezember 2013

  1. Exodus
  2. Ankunft
  3. Transfer complete
  4. Phase 1 – oder: Altlasten
  5. Phase 2 – oder: post Telos
  6. Der erste Besuch der Frau
  7. Phase III – oder: Konsolidierung

Zweiter Teil: Vom 20. Dezember 2013 bis zum 27. April 2014

  1. Der zweite Besuch der Frau
  2. Phase IV – oder: modus vivendi
  3. Erstes Intermezzo – oder: Zäsur
  4. Phase 5 – oder: Un gringo en Calpe [Stand der Überarbeitung]
  5. Zweites Intermezzo – oder: Die Hälfte der Zeit
  6. Phase 6 – oder: Sehnsucht
  7. Der dritte Besuch der Frau und andere Besuche
  8. In der Hauptstadt der autonomen Region

Dritter Teil: Vom 28. April bis zum 21. August 2014

  1. Phase 7 – darin: Besuch von Freunden
  2. Drittes Intermezzo: Der Geburtstag der Frau
  3. Phase 8
  4. Der vierte Besuch der Frau
  5. Phase 9 – oder: die letzte Phase
  6. Der abschließende Besuch der Frau
  7. Transfer Retour

Epilog: Vom 22. August 2014 bis zum Ende der Welt

  1. Perspektiven?

Die chronologische Anlage der 324 Tage der Romanhandlung wird durch häufige Analepsen und Prolepsen sowie durch zahlreiche Verweise konterkariert.

Blog
Leseprobe [PDF]